| Grünkohl macht gesellig Zweites gemeinsames Essen von Lisdorfer "Mous": Dieser Kohl ist wie die Saarländer, sagt Ministerpräsident Peter Müller Von JOHANNES WERRES SZ vom 15.01.2004 Beim großen Grünkohlessen wurde eine Broschüre mit neuen Rezepten von "SZ"-Lesern vorgestellt. Das Lisdorfer Treffen hat Stil: Die Gemüsehalle freigeräumt, Tische rein und dampfenden Grünkohl drauf. Saarlouis. Die beiden Rezepte sind stimmig: Die alte Tradition des Grünkohlessens im saarländischen Gemüse-Herz Lisdorf als gesellige Veranstaltung wiederzubeleben, und die Zubereitung des zu neuen Ehren gelangenden Grünkohls aus heimischem Anbau. Der zweite Durchgang am Mittwoch erwies sich wie der erste vor einem Jahr als gesellschaftliches Ereignis. Diesmal saß ein leibhaftiger Grünkohl-König mit zu Tisch: Ministerpräsident Peter Müller. Vor knapp einem Jahr kürte ihn der Wirtschaftspolitische Club Deutschlands zu seinem Gemüse-Monarchen. Keine schlechte Gesellschaft, befand Müller: Wirtschaftsminister Wolfgang Clement und Ex-Kanzler Helmut Kohl seien seine Vorgänger gewesen. Der Grünkohl, befand Müller in Lisdorf, passe zum Saarländer: wie er sei er widerstandsfähig, herzhaft und mache Freude. Müller nutzte die Gelegenheit zum Kompliment an die saarländischen Landwirte: "Sie produzieren wirklich toll." Von bester Qualität, ohne Bedenken zu genießen, schmackhaft und nahrhaft sei, was da von den Höfen komme. Den Bauern müsse "mehr honoriert" werden, was sie für die Pflege der Kulturlandschaft täten. "Die saarländischen Bauern haben das wirklich verdient." "Ich habe ihn aufgewärmt"Nicht jede überlieferte Weisheit wollte Oberbürgermeister Hans-Joachim Fontaine für bare Münze nehmen, er bekannte: "Ich habe den Selbstversuch gemacht. Ich habe den Grünkohl zu Hause aufgewärmt - und ich lebe noch." Gefährlich sei das verpönte Aufwärmen des Kohls nicht, antwortete Heide Müller, Ernährungs-Expertin bei der Landwirtschaftskammer für das Saarland. "Aber beim Aufwärmen gehen Nährstoffe verloren." Heide Müller stellte die Broschüre "Grünkohl aus Lisdorf - dat Mous sinn" vor. Sie entstand aus 100 einschlägigen Rezepten, die nach dem ersten Grünkohlessen an die "Saarbrücker Zeitung" geschickt worden waren. Lisdorfer Bäuerinnen bereiteten die besten Rezepte für das auch "Mous" genannte Gemüse für die Broschüre auf. Die Bandbreite reicht vom "Mous auf Lisdorfer Art" über Grünkohl-Fischfrikadellen und Grünkohl-Pizza bis zu Grünkohl mit Zander und Seezunge. Das Heft dürfte auf Resonanz stoßen. Denn, so Heiner Groß, Vorsitzender einer der Veranstalter, des Heimatkundevereins Lisdorf, nach dem ersten Grünkohl-Treff habe die Nachfrage nach diesem Gemüse im Saarland das Angebot überstiegen. Das wird die Lisdorfer Frischgemüse, weiterer Veranstalter des Treffens, freuen, auch wenn Grünkohl im Saarland auf nur zwei Prozent der Gemüseanbaufläche wächst. Das Mous-Treffen fand wieder in der Lisdorfer L.F.G-Halle statt. Rustikal, freigeräumt für das Essen an Biertischen - das macht den Charme der Atmosphäre der Veranstaltung aus. Man ist dicht dran am bäuerlichen Betrieb. Die L.F.G lieferte auch den Kohl, der nach den Vorschriften eines kontrollierten Anbaus produziert wird. Zubereitet haben ihn das Damenteam der Veranstalter und das Feldküchenteam der DRK-Ortsgruppe Felsberg-Berus. Alles aus der RegionUnd das, was auf den Teller kam, war schließlich die Hauptsache. Verlockend, pikant gewürzt, flankiert von Kartoffeln, Mettwurst, Rauchfleisch und Bauernbrot, alles aus der Region. Da galt nun gar nicht mehr, was in der Broschüre zu lesen steht: "Eigenartig, je einfacher ein Gemüse ist, desto mehr wird darüber die Nase gerümpft. Dabei verbirgt sich der wahre Reichtum der Natur gerade in den billigsten Nahrungsmitteln." Die Broschüre "Grünkohl aus Lisdorf - dat Mous sinn" gibt es für einen Euro bei der Landwirtschaftskammer, bei der L.F.G, (06831) 40621, sowie auf den lokalen Bauernmärkten. |